Auf der Flucht!

12.10.2010

Gestern haben wir unser rent-a-car noch mal so richtig ausgenützt und sind Shoppen gefahren, (Für Mehr bitte auf der Start-Seite in der jeweiligen Positionen  oben rechts auf +Plus+ oder im Tagebuch oben auf Kommentar klicken) das läuft natürlich nicht so wie früher ab. Erstens ist Harald dabei und nicht Freundinen, schließt ein gemütliches und erfolgreiches „ich-kaufe-mir-Schuhe-die-ich-nicht-brauche-und-Klamotten-für-die-ich-mindestens-3kg-abnehmen-muß-Einkaufen“ von vorne herein aus. Und Zweitens habe ich mittlerweile eingesehen, daß mit 200,-€-Manolo-Pumps schlecht Segel setzen oder Anker aufholen  ist. Auch machen sie eine Anlandung in der Brandungswelle nur ungern mit und die Gelegenheit mal so schnieke in der Bar zu stehen wie man noch vor 10 Minuten vom Schiff auf das Dinghy geklettert ist, ist sowieso mehr wie selten.

Also war heute Boots-Shopping angesagt, was heißt eine Gasheizung, einen Akkusauger, Matratzen auf denen man wirklich schlafen kann, einen Säureheber (Harald’s Energiekonzept läßt grüßen) und Campinggas zum Kochen. Und man glaubt es nicht, ich war echt glücklich in Anbetracht des bis unter den Himmel vollgestopften Autos, denn wir haben alles gekriegt, was nicht immer Selbstverständlich ist im fremdsprachigen Ausland. Aber das Vorhandensein eines Baumarktes, einer IKEA, eines Lidls und eines Bootszubehörgroßhandels im Industriegebiet in Palma erfüllt einfach jeden Wunsch, zumindest wenn man auf einem Schiff lebt.

Dann wieder mal ziemlich zügig zurück zum Hafen, diesmal nicht weil uns die Marineros auf den Fersen waren, wir hatten in aller Frühe wieder einmal umgeankert und so lagen wir draußen in der ungeschütztesten Ankerbucht die man sich nur denken kann, macht aber nix, weil heute alles ruhig ist. Sondern weil uns das Wetter im Nacken saß, denn es wurde von Minute zu Minute dunkler und der ganze Einkauf sollte möglichst trocken auf’s Schiff. Geschafft, alles an Bord, ausgepackt und eingeräumt, dann schnell alle Luken dicht, denn jetzt kommt’s, ein Wolkenbruch vom Feinsten, ich wäre echt ausgerastet, wenn das eher losgelegt hätte.

Diesmal war`s Harald der sich das falsche Wetter ausgesucht hat.  Es ist einfach nicht zu fassen, das Wetter spielt hier echt verrückt. Wir haben uns eben heute morgen von unserem „frechen“ Ankerplatz mitten im Hafen verzogen, da der Wetterbericht für heute und morgen o.k. war und sie auf drei verschiedenen Vorhersagen nicht’s Schlimmes angesagt haben. Also lagen wir wieder vor dem Hafen, frei nach Westen und nach Osten gut geschützt durch das Festland, dachten wir. Als wir über Funk eine Sturmwarnung hörten die auf die Ostküste von Mallorca treffen sollte haben wir nochmal alle drei Wetterberichte gecheckt und fest gestellt, jetzt sind sie sich einig, Wind aus Ost mit 6-7 und Böen bis 9. Trotzdem hier sind wir sicher, wir liegen auf der Westküste und nach Osten geschützt, alles geschmeidig.

Und da ich ja eine neue Matratze hatte und wir vor lauter Regen eh nicht mehr von Bord konnten habe ich gleich mal 13 Stunden durchgeschlafen, jetzt weis ich erst wie schlecht die immerhin 3.000,- €-Aufpreis teuren Matratzen mit Lattenrost von Lagoon wirklich waren.

12.10.2010

9 Uhr morgens, ich wache auf und es schüttet in Strömen, sieht nach gemütlichem Tag an Bord aus. Von wegen, der Wind wird mehr und natürlich nicht aus Ost, sondern aus West, wie gibt’s denn sowas? Harald hängt wieder an den Wetterberichten und wieder wissen sie Neues. Jetzt soll der angesagte Wind aus Ost in Orkanstärke kommen, zwar auf die Ostküste und wer aufmerksam gelesen hat:  wir sind auf der Westseite Mallorcas. Weit und breit kein Wind von West, steht zumindest im Internet. Aber was ist dann das was wir hier haben, eindeutig West und er wird mehr und mehr und als der Windmesser wieder einmal 30kn anzeigt, haben wir es dicke und das Frühstück fällt erst mal aus, umankern ist angesagt, wieder einmal!

Zurück in den Hafen und da wir ja schon wissen so mitten drin haben es die Marineros nicht so gerne legen wir uns weiter hinter, sind aber trotzdem mitten drin und das ist auch gut so, denn es bläst jetzt mit 7-8 Windstärken aus West und sogar im Hafen haben die Wellen Schaumkronen und brechen sich. Aber jetzt gibt’s erst mal Frühstück, dann wird der neue Sauger ausprobiert und dann schauen wir weiter.

Während wir grad mal wieder bei  Böen von 8-9 Windstärken um unseren Anker kreisen haben wir zwischen den Regengüssen einen immer neuen Ausblick, mal auf die Marina mal auf die Promenade und mal auf’s Meer, wäre wirklich schön, wenn es nicht so in Strömen schütten würde und das schon den ganzen Tag. Ich habe zum 3ten mal einen 15l-Eimer Wasser mit Regenwasser aufgefangen und weis schon gar nicht mehr wo hin damit, er steht einfach so an Deck und ist innerhalb von 2 Stunden voll.

Am Nachmittag habe ich mit den Freunden nochmal telefoniert, die an der Ostküste ihr Haus haben und Kiki sagt bei Ihnen ist die Hölle los, Sturm und kein Strom mehr. Eigentlich wollten wir uns heute nochmal treffen, aber sie kommen nicht vom Haus weg, da ganz Malle unter Wasser steht und wir kommen nicht vom Boot runter, da man innerhalb einer Millisekunde sowas von patsch naß ist, daß einem alles vergeht. Schade, dann verschieben wir unser Wiedersehen nach Deutschland, da ist es sicher einfacher zu bewerkstelligen.

Harald hat sich mit der neuen Heizung (sicher ist sicher) und einer großen Gasflasche in die Kabine verzogen und ist gerade im Begriff sich und das Boot in die Luft zu jagen oder er installiert sie einfach nur, das ist noch nicht raus. Wenn aber Erstes zu trifft, dann hab ich gleich das passende Halloween-Outfit ohne viel Schminken. Aber mein Schatzi kriegt das hin, es hört sich zwar noch nicht so an, doch mit ein paar Motivationssprüchen meinerseits und einem dicken Lob, wie sie dann endlich läuft geht’s immer, früher oder später.

Das ist wirklich Ausnahmezustand in ganz Mallorca, da wir den ganzen Tag am Boot sind hören wir viel Radio und der Inselfunk berichtet von nicht’s anderem mehr als von dem wahnsinns Regen und dem Orkan. Na der Orkan hat uns noch nicht erwischt hier aber wir haben ganz ordentlich Fahrt gemacht am Anker, mal in die eine und mal in die andere Richtung. Und durch die Regenfälle und die Bäche, die hier in’s Hafenbecken schießen treibt jede Menge Zeug um uns rum. Na ja morgen soll alles besser werden und dann auch wieder 25 Grad haben, wird auch Zeit, denn morgen kommen Freunde aus Österreich für 5 Tage und da braucht man sowas echt nicht. Selbst Mallorca ist bei so einem Mistwetter gscheid öd, dafür ist jetzt alles grün wie in Bayern, na da schau her.

Aber auch uns ist jetzt mal nach Ruhe, wir haben eigentlich gedacht, wenn wir in Mallorca angekommen sind ist der Streß vorbei und wir können mal  nur so zum Spaß von hier nach da segeln oder auch einfach mal irgendwo hängen bleiben, wenn’s uns gefällt,  aber dem ist gar nicht so. Seit dem wir hier sind ist das Wetter und der Wind extrem wechselhaft und man muß eigentlich ständig schauen ob man auf der richtigen Seite liegt. Jeden 3ten Tag sagen sie was von Sturm, den wir meist durch entsprechendes Ausweichen nicht abkriegen, aber easy going ist was anderes. Na irgendwann wird sich das auch verziehen und es ist wenigstens warm und in Deutschland hat es Bodenfrost, oder?

Wie wir auf Mallorca angekommen sind hat Harald gesagt, na da wird’s jetzt langweilig mit Deinem Tagebuch, Du kannst ja nicht immer das Gleiche schreiben. Langweilig ist was anderes, mir wär’s jetzt gern mal langweilig und zwar so daß ich nur von schönen Buchten und Plätscherwasser schreiben könnt und das am liebsten von Tag zu Tag einfach nur kopieren, am besten die nächten 6 Wochen, aber das wird hoffentlich auch noch kommen und wenn dann spätestens am Atlantik in Richtung Karibik.