Bettenwechsel bei 8 Windstärken

04.10.2010

Gestern sind also meine Eltern gekommen und wir haben sie in Puerto Pedro in Empfang genommen und auf’s Schiff gebracht (Für Mehr bitte auf der Start-Seite in der jeweiligen Positionen  oben rechts auf +Plus+ oder im Tagebuch oben auf Kommentar klicken)  und ausgerechnet für diese Nacht und den folgenden Tag sagen sie Sturm aus SW, die Bucht ist gut geschützt und wir liegen an EU gesponsorten Bojen für Schiffe bis 18 m, kann doch eigentlich garnix sein. Von wegen EU halt, so unruhig in der Anker-/Bojenbucht sind wir seit dem Atlantik nicht mehr gelegen, na prima und Mama wird beim Essen schon immer stiller. Als sie schon um 22 Uhr in die Kabine will und nach einem Kotzeimer frägt ist alles klar, Seekrank, Mist. Aus Solidarität geht Papa bald mit und wir Mädels feiern unseren letzten Abend bis spät in die Nacht.

Dann gab es Bettenlager in der Küche für 3 Stunden, um 5 Uhr mußten wir vier sowieso wieder raus und die Mädels inklusive Gepäck an Land und zum Flughafen. Weil das keine Aufgabe ist, bei Dunkelheit, 7 Beauforts in der Ankerbucht und einer ganz beachtlichen Welle, für eine eigentlich geschützte EU-Ecke.

Aber unsere Mädels haben ja was gelernt in der Woche und sind ganz schön seefest geworden, so ging alles ganz unproblematisch und wir haben sie inklusive Gepäck gut an Land gebracht. Nach einem feucht-fröhlichen Abschied sind wir wieder zurück zum Schiff und nachdem von meinen Eltern weit und breit nichts zu sehen war, sind wir davon ausgegangen, daß alles o. k. ist und wir sind wieder in unser Bett gekrochen.

Und tatsächlich, die Lage hat sich total beruhigt und Mama und Papa ging’s super am Morgen, nach einem ausgiebigen Frühstück ging’s los, weiter an der Ostküste entlang, Cala Mondrago, Puerto de Cala Figuera, Cala Santanyi und Cala Llombarts, eine wirklich sehr schöne Ecke. Dann nach Cabrera, der Naturschutzinsel südöstlich von Mallorca, zurück nach Puerto Portals, übrigens einer der mondänsten Marinas auf Mallorca mit einigen der teuersten Restaurants der Insel und schließlich rum um’s Eck über Camp del Mar (Westküste) bis nach Andraxt.

Großeinkauf mit Mama

Auch Papa gefällt die Ankerbucht

Ein besonderer Sonnenuntergang

Meine Eltern haben das komplette Programm mit gemacht , von schönem Segeln unter Parasailor über Am-Windkurse bei 6 Beaufort und Welle unter Groß und Vorsegel, einer nächtlichen Dinghyfahrt über’s offene Meer bei einer nicht unerheblichen Welle bis hin zum Anlanden am Strand in voller Brandung. Alles haben sie unbeschadet überstanden und nach eigener Aussage hat es Ihnen auch viel Spaß gemacht. Aber da würde ja was nicht stimmen, wenn am Tag der Ab-/Anreise das Wetter nicht noch mal so richtig Gas geben würde, oder?

Und der Abreisetag war heute, der 10. Oktober. Wir hatten meinen Geburtstag gefeiert und als wir wieder an Bord waren und gerade in’s Bett gekrochen waren meinte wohl das Wetter, es jetzt auch noch mal so richtig krachen lassen zu müssen und ein heftiger Gewittersturm brach los, mit Hagel einem fetzen Wind, Blitze daß es Tag wurde und allem was da so dazugehört, blöd nur, daß die Ankerbucht von Andraitx komplett ungeschützt in die Richtung war aus der das Gewitter kam, nämlich aus West.

Daß jetzt Harald einfach immer wieder recht haben muß. Als wir am Abend hier ankamen war das erste was er sagte, das gefällt mir gar nicht, wir liegen hier wie auf dem Präsentierteller, wenn da was aus West kommt. Aber die Wetterberichte waren sich mal wieder wie seit Tagen gar nicht einig, da war alles dabei von Süd über Ost und auch so ganz nebenbei West, von 2-3 und auch 7-8 Beauforts. Vor Tagen hatten wir im Radio gehört, daß Mallorca im Moment in so starken Wechselwinden liegt, daß keine konkrete Wettervorhersage möglich wäre, was wir die letzten Tage auch immer wieder spürten, denn es kam ständig anders wie vorhergesagt. Und jetzt hatten sich die Wetterstationen scheinbar darauf geeinigt, daß jeder etwas anderes meldet und man es sich einfach raussucht. Da es mein Geburtstag war und Andraitx der richtige Ort zum feiern habe ich mir scheinbar das falsche Wetter rausgesucht was ich in dem Moment bereute als das Gewitter so richtig am toben war.

Erst kam der Wind und dann die Welle und die wurde ständig mehr, bis zum Morgen, wie gesagt der Morgen des Tages der Abreise meiner Eltern. Und zwischen Flughafen, also der wirklichen Abreise  und dem hier lagen ein Einstieg in ein Dinghy, das bei einer 2m Welle am Anker alles andere macht als ruhig dazuliegen und einer entsprechenden Überfahrt mit Gepäck zum Hafen bei Regen und was weis ich noch allem. Harald hat sich offensichtlich die Nacht über die gleichen Gedanken gemacht, wie kriegen wir meine Eltern erst in’s Dinghy und dann wieder raus. Ansage des Kaptains, wir ankern um und zwar da rüber genau hinter den Wellenbrecher, mir wurscht ob da eine Fischfarm ist oder nicht, das muß jetzt gehen, wir legen uns vor die Ankern-verboten-Bojen und gut ist’s. Da mir auch im Moment nicht’s Besseres einfiel und wir auch nicht den ganzen Tag Zeit hatten, da meine Eltern ja zum Flughafen mußten, holten wir Anker auf und fuhren zur anderen Seite der Bucht. Beide Anker versenkt und Schluß war’s mit der Welle. Halbe Stunde abwarten, bis es das Regnen auf hört und dann ab in’s Dinghy. Gerade als wir einsteigen wollen kommen die Marineros und klären uns freundlich aber bestimmt darüber auf, daß wir hier sofort wieder weg müssen und wieder an unsere Ankerbucht sollen. Reden konnte man mit ihnen eh nicht, da sie sich weder auf englisch noch auf deutsch einließen und hier spricht jeder deutsch, bin mir sicher wenn ich die am Abend in der Bar treffe, dann verstehen die mich. Aber gut, irgendwie hab ich ihnen gestikuliert, daß wir meine Eltern an Land bringen und dann hier verschwinden. Als Harald mit dem Dinghy zurück war wollten wir den 2ten Anker aufholen und… Scheiße, der hat sich in irgend einem Mist da unten verhakt. Also Boje drangehängt, die Leine aus der Kette gemacht und ihn da liegen lassen, der zweite Anker war ganz unproblematisch hoch zu holen und so sind wir los und haben den anderen Anker einfach zurückgelassen um ihn später in Ruhe zu bergen. Auf der drüberen Seite wieder angekommen war es einfach unmöglich zu ankern, die Welle die da rein lief hatte mittlerweile gute 2,5m und das mit nur einem Anker und dann auch noch das Schiff alleine liegen lassen, kommt gar nicht in Frage. Was macht mein Schatz, er fährt einfach mitten in den Hafen von Andratx, wirft den Anker und da sind wir, mitten drin und ruhig ist es auch. Kaum sitzen wir im Dinghy, auf dem Weg zu meinen Eltern und dem rent-a-car, haben wir die Marineros schon wieder an der (Arsch-)Backe und sie erklären uns in einwandfreiem englisch, daß wir da maximal eine Stunde stehen dürfen und dann wieder weg sein müssen. Warum eigentlich, wir behindern niemanden und ein Ankerverbot ist auch weit und breit nicht, zugegeben frech ist es schon, wie wir da liegen, aber jetzt pressierts und wir versprechen alles um sie einfach nur mal los zu sein für’s Erste. Endlich an Land, meine Eltern eingepackt und zum Flughafen, ziemlich zügig wieder zurück um das Geschehen von sicherer Entfernung zu beobachten und um einzuschreiten falls irgend jemand auf blöde Ideen kommt. Unser Rufus liegt brezelbreit mitten im Hafen, ruhig und sicher, draußen tobt noch immer Wind und Welle, wir sind weit genug von der Marina weg und von allen anderen An-/ und Ablegepotons, kein Ankerverbot, also was soll’s. Nach 5 Stunden, vielen Cappuchino’s und einem Sightseeingabstecher in die Altstadt von Andraitx trauen wir uns wieder auf unser Boot. Und was sehen wir da, wir sind nicht mehr alleine, um uns rum jede Menge Segler, die nur darauf gewartet haben, daß einer anfängt mit dem unverschämten Ankern und alle sind sie froh doch noch ein ruhiges Plätzchen gefunden zu haben. Frei nach dem Motto zusammen sind wir stark, haben die Marineros scheinbar aufgegeben ihren Spruch mit der Stunde parken abzulassen, wir haben sie später in einer der Hafenbars gesehen, na dann hasta maniana. Na dann können wir uns jetzt vielleicht raus trauen und unseren Anker holen, den wir heut früh so einfach liegen haben lassen. Also hin mit dem Dinghy, Taucherbrille und Schnorchel auf und Harald verschwindet in den Fluten. Und tatsächlich in 5m Tiefe hing er in einer Kette verhakt und Harald hat ihn freigezogen, so daß man ihn dann vom Dinghy aus aufholen konnte. Super, den Anker hatten wir also wieder, zurück zum Schiff und unseren verlorenen Anker wieder als 2ten an unserer Kette versenkt und gut war’s. Freunde, die im Moment in Mallorca im Urlaub sind und uns an diesem Tag später besucht haben, haben sich halb weggepackt vor Lachen, als sie uns da so mitten im Hafen von Andraitx liegen haben sehen. Tja manchmal siegt einfach Frechheit, aber heute hätten wir auch wirklich nicht gewußt wohin wir hätten ausweichen sollen, also sollen sich die mal nicht so haben und morgen sind wir eh wieder weg, aber heute Nacht kann kommen was will, ist mir wurscht