George Clooney wär’s lieber gewesen

11.10.2014

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Diesmal fiel uns der Abschied besonders schwer, denn es war eine extrem lustige Zeit in Deltaville mit so vielen netten, neuen Kontakten, die leider zum Großteil dann immer auf der Strecke bleiben müssen.

Wir waren die Einzigen, die „Außenrum“ um Cape Hatteras und die Outer Banks segeln und so haben wir uns von allen, auch von Sabine, Thomas und John, die wir weiter unten im ICW wieder treffen werden, verabschieden müssen. Zur Feier des (traurigen) Tages wurde mein Saxophon als Abschiedshorn mißbraucht.

Das Wetter war auch oll, regnerisch und nicht besonders warm, aber die Temperatur ist ja vorallem der Grund warum wir weiter müssen. Die Chesapeak Bay verabschiedete sich von uns mit einer richtig fiesen Welle gegen an und einem ruppigen hart am Wind Kurs, bei dem der Cat und ich das Kotzen kriegen. Zum Glück haben wir ja schon länger wieder unser „Papamobil“ (Rundum-Cockpit-Verkleidung) ausgepackt, so daß wir rundrum im Cockpit geschützt sind von dem grausamen Wetter.

Bis zum Ende der Chesapeak Bay sind wir immer gleich auf mit einer anderen Lagoon 45. Als wir dann den Parasailor setzen rufen sie uns über Funk und gratulieren uns zu unserem „breathtaking“ Segel. Kein Wunder, bis dahin sind wir mit 5kn neben einander her gesegelt und kaum ist unser Seppl oben, da zischen wir ihnen mit 7/8kn davon. Da bleibt den Engländern die Spuke weg und für uns wird’s ab dann gemütlicher.

Vor uns liegt das Cape Hatteras und die Outer Banks, bekannt aus dem Film „Der Sturm“ mit George Clooney. Wir waren uns nicht ganz sicher ob wir das Cape nehmen oder doch noch in Virginia Beach einen Stop einlegen und auf bessere Bedingungen warten sollen. Doch sobald wir die Chesapeak Bay hinter uns hatten und auf dem offenen Atlantik draußen waren lief es viel besser. Es war zwar ordentlich Wind und Welle, aber bei achterlichem Wind und 8-10kn Speed fährt keiner zum Ankern.

Viele entscheiden sich, das Cape nicht zu segeln weil es einfach viele, viele üble Storrys darüber gibt, die Amis eh Schisser sind und weil der Intercostal direkt dahinter durchs Land geht. Auch wir haben viel erzählt bekommen und alle haben uns viel Glück gewünscht, wie wenn wir was weis ich nicht was vor hätten. Aber schließlich kennen wir das Gebiet da draußen, da wir es beim Hochsegeln schon mal gemacht haben und der Intercostal kommt wegen dem Brückengezehter für uns sowieso nicht mehr in Frage.

Allerdings, wenn es dann dunkel wird, der Wind mit 28kn bläst, eine Welle hinter einem her braust, der Parasailor mit der Leine in einen Block schnalzt und dabei die Windschutzscheibe rausreißt (ja, schon wieder), dann denkt man auf einmal doch an all die wilden Geschichten die sich um Cape Hatteras ranken und auch ein bischen an George Clooney, der sich nicht weit von hier mit seiner Andrea Gail richtig nasse Füße geholt hat.

Letztendlich war es eine recht ungemütliche Nacht mit viel Arbeit am Segel, an Schlaf nicht zu denken. Dafür haben wir die 250sm von Deltaville nach Beaufort um’s Cape, die die meisten in 2 Tagen segeln, in rekordverdächtigen 30 Stunden abgehakt. Ziemlich geschafft, aber happy haben wir es fast nicht glauben können, daß wir mit 8,5 kn im Schnitt hier runter geheizt sind, George Clooney wäre stolz auf uns.

Gemütlich verankert in Beaufort haben wir auf Brösel (Sabine und Thomas) und Hecla (John) gewartet, die den Intercostal gefahren sind und dafür doch 5 Tage einplanen mußten.

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Um so größer war, eine Woche nach Verabschiedung in Deltaville, die Wiedersehensfreude an unserem Ankerplatz.