I’ll be Back!!!

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01.11.2016
Lang ist es her, daß ich mich gemeldet habe, fast 4 Monate. Eine lange Zeit in der viel passiert ist, aber alles um’s Schiff so anstrengend und nervig war, daß mir die Lust darüber zu berichten vergangen ist.
Von Juni bis Ende July haben wir also unser Schiff komplett ausgeräumt und soweit wie möglich für den Verkauf hergerichtet. Man kann sich nicht vorstellen wie heftig es ist, bei 35 Grad und 85-90% Luftfeuchtigkeit den ganzen Tag so richtig zu schufften. Der Körper ist ständig auf Touren und findet keine Entspannung mehr. Unter Tags von 11-18 Uhr schafft es nicht mal mehr die Klimaanlage im Schiff die Temperatur unter 33 Grad zu bringen, einzig es ist nicht ganz so feucht wie draußen. Da man am Schiff aber hauptsächlich draußen so richtig arbeitet ist das auch keine Erleichterung. Schon morgens beim Plan machen, was heute so alles ansteht läuft einem der Schweiß in Strömen runter.
Der einzige Lichtblick ist unser neuer Liegeplatz, den ich wirklich durch einen reinen Zufall ergattert habe (darüber habe ich im Bericht „Umzug mit Mini“ geschrieben).

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Er ist in einer sehr schönen, Park-änhnlichen Anlage mit Pool, wo es nur 8 einzelne Docks gibt und wir am Ende eines sehr ruhigen Kanals liegen, in dem keine Boot rumfahren. Die Anlage ist insofern witzig, weil es sich hier um eine Art Betreutes Wohnen handelt. Um sich in eines der Appartmenst einzumieten muss man über 62 Jahre alt sein und darf ein bestimmtes, eher niedriges Einkommen nicht übersteigen. Allerdings sind die meisten, die sich hier täglich ein Rollator- und Rollstuhlrennen liefern, 80 plus und freuen sich natürlich riesig über frisches,“ junges“ Blut (für die sind wir das) im Park. Harald’s größter Fan ist eine 94jährige, die ihm, topfit meist nicht von der Seite weicht, wenn er irgendwo unterwegs ist.

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Der Pool ist das Genialste von allem, auch wenn er ab Mittag 35 Grad hat. Man muß nur solange drin bleiben bis man komplett durchweicht ist, dann fühlt man sich doch ein bisschen besser.
Tja und wie dann alles ausgeräumt und sauber gemacht ist geht’s dran das Boot Hurricane sicher zu verzurren, da wir ja für die Season nach Deutschland abhauen wollen. Jetzt geht’s erst richtig los mit der Schinderei.

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Wir wollen das Schiff mitten in den Kanal hängen, aber so, daß wenn der Makler mit Interessenten kommt …

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… es mit Hilfe eines Flaschenzugs jederzeit an das Dock holen kann um einfach drauf zu kommen. Das ist echt eine Aufgabe.

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Zunächst konstruieren wir an der Steuerbordseite eine Art Hahnepott mit einer Leine vom Bug und einer vom Heck. Dort wird dann die 60 m Ankerkette eingeschekelt und die Kette mit Anker auf der gegenüberliegenden Seite in den Mangroven fest verankert. Da die Kette jetzt am Grund des Kanals liegt muss der Abstand so eingestellt werden, daß das Schiff zum Schluss mitten im Kanal zum liegen kommt. Dazu muß Harald vom Dinghy aus immer ein paar Meter Kette hochholen (ca. 30kg, bei denen das Dinghy vorne gefährlich unter Wasser taucht), eine Leine einhängen, die ich dann Meter für Meter dicht winsche und das so lange bis alles stimmt. Nach 6 Stunden schweißtreibender Schinderei und völliger Erschöpfung ist das zumindest mal geschafft. Weitere 4 Stunden brauchen wir bis die Fenderbretter passen, denn durch den Tidenhub und den senkrechten Piles am Dock sind einfache Fender nicht möglich um das Schiff zu schützen.
Da bei Harald alles immer 150% sein muß hört er nicht auf über seine Konstruktion nachzudenken und stellt fest, daß es besser wäre, wenn das Schiff genau andersrum da liegen würde. Ich bin einem Burnout nahe und hoffe, daß Harald das wieder ganz schnell vergißt. War ja eigentlich klar, daß er das nicht tut. Also das ganze nochmal von vorne nur andersrum. Irgendwann ist das auch getan. Jetzt muß noch alles „laufende Gut“ verräumt werden und die Segel runter.

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Da kommt uns Michel und Nathalie zu Hilfe, Freunde, die mittlerweile in Sarrasota wohnen, an der Westküste Floridas, und uns nochmal sehen wollten bevor wir für so lange Zeit nach Deutschland verschwinden. Zusammen ist vorallem die Segelgeschichte nur halb so nervig.

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Aber auch bei Michel ist es so wie bei Harald, denn ich frage ihn wie lange das mit dem Groß dauert bis es in so ’nem kleinen blauen Sack verschwunden ist. Er meint, ein Stunde. Aha, also nach der Haraldschen Umrechnungstabelle ca. 3 Stunden plus.

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Tatsächliche 4 Stunden später sind Groß und Genua in diesen beiden hantlichen Beuteln verstaut und im Schiff.
Das alles schaut immer so nach Spaß und Urlaub aus, was es absolut nicht ist. Zum Schluß dieser 3 Monate Streß war es soweit, daß Harald echte Herzprobleme hatte und wir uns mitten in einer richtigen Beziehungskriese befunden haben, was in den 25 Ehejahren noch nie der Fall war.
Zeit endlich hier abzuhauen, Hurricaneseason hin oder her.

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In Deutschland hatten wir eine super schöne Zeit.

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Nicht nur weil Wiesn …

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… (Oktoberfest) …

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… war, sondern vorallem, weil uns meine Eltern bei sich zuhause alle Wünsche und Bedürfnisse von den Augen abgelesen haben …

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… und es uns so richtig gemütlich und heimelig gemacht haben.
Dann war Mathew im Anzug, ein Major Hurricane, was bedeutet da bleibt kein Stein mehr auf dem anderen. Dabei war er schon der 18te benamste Sturm der um Florida herumzog, aber halt der einzige der es aufgrund seiner Verwüstungen in Haiti und den Bahamas in die europäischen Median geschafft hat. Und der steuerte Anfang Oktober genau auf Miami/Ft. Lauderdale zu. Na toll, wir lassen einmal in all den Jahren unser Schiff in einem Hurricanegebiet, indem zwar seit 11 Jahren keiner mehr war, aber dafür in diesem um so mehr. Harald hat sogar überlegt, ob er kurzfristig einen Flug rüber bucht, doch letztendlich vertrauten wir auf unsere Konstruktion, die übrigens die anderen Schiff alle übernommen hatten, wie wir bei unserer Rückkehr feststellten. Und vorallem vertrauten wir auf unsere Freunde/Schiffsnachbarn, Nathalie und Jean-Luc, die nach unserem Schiff schauten und uns teilweise minütlich einen Statusbericht geschickt haben.

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So kam Mathew!
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So war’s dann, nämlich nix ausser Scheißwetter!

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Und so zog er zum Glück vorbei!
4 Tage lang Bangen ob er Florida mit voller Wucht erreicht und wenn dann wo. Zu unserer aller Glück ist er doch sehr abgeschwächt erst weiter nördlicher an die Küste gekommen, wo er zwar ein ziemliches Hochwasser verursacht hat, aber das Schlimmste nicht eingetreten ist. Wir hatten um unser Schiff nicht mehr wie 30kn Wind und es ist nicht’s weiter passiert.

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Anschließend hatten wir eine ziemlich hohe Hightide, …

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… was dem Schiff relativ wurscht ist, …

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… aber das war’s dann auch schon.

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Seit Ende Oktober sind wir wieder zurück und unser Schiff war vollkommen in Ordnung und nicht mal so richtig dreckig wie wir das eigentlich erwartet haben. Nach zwei Tage war alles wie gewohnt bewohnbar. Leider ist es noch nicht verkauft, aber eine Hurricaneseason wie diese, und sie ist noch nicht ganz vorbei, und die bevorstehenden Wahlen machen die Amis zurückhaltend. Also werden wir noch etwas auf dem Schiff in unserem Betreutem Wohnheim verbringen und hoffen, daß sich die Situation bis Ende des Jahres ändert.