So Deutsch!

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03.12.2016
Ja, was gibt’s Neues beim Halb-Boots/Halb-Landleben. Natürlich unser erstes eigenes Auto hier in den Staaten.
Und was ist es, ein Golf Cabriolet von 1995 für sageundschreibe 800 $ (Eigentlich hab ich mir irgendsoeine uralte Amischleuder vorgestellt, aber wenn sowas dagegen steht kann man als Deutscher nicht aus). Gekauft haben wir es auf der anderen Seite Floridas, wie wir unsere Freunde in Sarasota besucht haben. Der Marina Manager wo Mikel und Nathalie ihr Schiff liegen haben, hat es gehegt und gepflegt. Vor 2 Jahren hat er sogar noch ein neues Faltdach und eine Klimaanlage reingesteckt und die Sitze neu überziehen lassen. Das sind rund 5000 $, warum man sowas macht? Jedenfalls scheint der Auspuff nicht okay zu sein und die Bremsen haben Luft. Scheinbar langt’s ihm jetzt und er will ihn los werden. Wir fahren mit dem Teil auf die Bühne und schauen uns den Auspuff an, Harald ist beruhigt, da fehlt einfach ein Stück was nix macht ausser einen guten Sound und a bisserl komisches Geklapper. Als uns die Werkstatt ein Reparaturangebot von 600$ macht und wir dankend ablehnen schenkt uns der Typ die Kosten für’s Hochheben und Anschauen von 30 $. Irgendwie müssen wir einen so armseligen Eindruck gemacht haben, daß er Mitleid mit uns hatte und kein Geld mehr von uns wollte.

Zurück zum Verkäufer will er erstmal 1200 $, wie wir ihn auf 800 $ runtergehandelt haben ist es Unsrer. Dann schaffen wir es tatsächlich noch, eine Versicherung zu organisieren und das Nummernschild damit wir heimfahren können. Hört sich so einfach an, aber das war schon eine Aufgabe. Im Vorfeld bin ich ewig am Telefon und Internet von Versicherungen und Zulassungen gehangen um rauszufinden wie das alles geht. Wie immer machen die Amis auch da eine riesen Welle und wenn man dann mal durchgestiegen ist, was auch unsere amerikanischen Freunde nicht wirklich tun, ist es total einfach. Den Führerschein auf einen US-Führerschein umschreiben lassen, geht im selben Office wie da wo man das Nummernschild bekommt. Vorher hat man per Telefon die entsprechende Versicherung abgeschlossen, die man als e-mail am Handy vorlegen kann und dann gibt’s …

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… das Nummernschild und schwups ist man für 400 $ on the road. In unserem Fall zurück von Sarasota nach Ft. Lauderdale. 250 Meilen, wo sich natürlich die ersten Macken rausstellen. In der ersten Woche ist dann die Wasserpumpe hin, sagt Harald. Wie wir bei uns um’s Eck zu einem VW Service Center fahren stellt sich raus, daß er natürlich Recht hat. Allerdings ist Harald noch nicht mit den Kosten hier in Florida vertraut. Er schätzt 250$, tja, vielleicht in Deutschland. Hier wollen sie dafür 800 $, na super.
Da die Staßen in den Staaten meist nach Themen organisiert sind und wir eben grad in der „alles-was-man-um’s-Auto-braucht-Straße“ sind, muss man nur etwas auf und abfahren und man findet was man sucht. Nämlich irgendsoeine vogelwilde Schrauberwerkstatt, die uns das Ding für 480$ anbietet. Na immer noch, aber das investieren wir und morgen können wir ihn wieder haben. Da sind wir ja mal gespannt. Am nächsten Tag steht er repariert am Hof. Der Chef-Schrauber meint, da fehlt’s schon überall bei dem Karren, aber die Wasserpumpe ist jetzt brandneu, den Auspuff hat er etwas fixiert und irgendwas mit den Bremsen gemacht, sodaß die auch fast wie normale Bremsen funktionieren. Komisch wieso haben die alle plötzlich irgendwie Mitleid mit einem? Man kommt sich ein bisschen so vor wie mit 18, wo man die fertigen Karren immer irgendwie am Leben erhalten hat, weil es das Einzige war was man sich leisten konnte. Und man ganz schnell stolzes Mitglied beim ADAC wurde, mit Platin Card, nach dem fünften Liegenbleiben im Monat.

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Vielleicht liegt’s auch daran, weil hier meist ganz andere Autos rumfahren.

 

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Am Wochenende, wenn wir mit der Bootsschrubberei und der Herrichterei für den Verkauf durch sind, gurken wir mit unserem Boliden die 30Meilen nach …

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… Miami Beach und reihen uns ein…

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… in die Karawane der Sehen- und Gesehen-Werdenden. Wobei wir natürlich eindeutig zu den Ersteren gehören. Cabriolet ist Cabriolet, ha!

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Bei der Dodge Viper kommen sentimentale Erinnerungen auf.

Es ist echt ein Spektakel, da geht’s rund, …

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… 5Meilen Dauer- Beach-und Road-Party.

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Ft. Lauderdale an der Promenade ist dagegen richtig fad.
Unter der Woche ist dann wieder etwas Arbeiten angesagt.

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Wir haben die Hurricane Verzurrung, die unser Schiff quer in den Kanal zwischen Dock und Mangroven gespannt hat wieder abgebaut. Das war mindestens so ein Akt wie das Instalieren. Denn, wie soll’s auch anders sein, hat sich die Kette am Ende irgendwo unter Wasser verhakt. Eigentlich wäre das Abbauen ein Kinderspiel gewesen. Die seitlichen Leinen entfernen, den Anker auf der drüberen Seite ausschekeln und die Kette mit der Ankerwinsch aufholen. Aber eben, man denkt immer, ist gleich gemacht und dann muß Harald doch wieder ran.

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So muß er jeden Meter der Kette ins Dinghy holen, 60m, á 3 Kilo.

Er wußte zumindest am Abend wieder ganz genau warum wir das Schiff verkaufen. Allerdings, wenn man ehrlich ist, ist es im Moment wirklich eher entspannt.

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Harald testet schon mal den Behindertenlift am Pool, ob man ihn nicht vielleicht als Schleuder umbauen kann. Wäre bestimmt lustig, zumindest für uns.

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Dann bin ich dabei endlich Haustiere am Schiff zu bekommen. Was nicht so einfach ist, denn sie vergessen es ständig, das mit der Haustiernummer.

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Schön sind sie jetzt auch nicht besonders, aber am Boot nimmt man halt was man kriegen kann.

 

Ach ja, Thanksgiving,

der größte Feiertag in den Staaten. Diesmal wollten wir ihn so richtig feiern, wie es die Amis halt so machen.

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Mit einem 6kg Truthahn (auf dem Bild hat der Vogel aber den ersten Angriff schon hinter sich) und allem was dazugehört. Was echt jede Menge Futter ist und natürlich viel Wein und Bier.

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In Ermangelung einer amerikanischen Familie, denn Thanksgiving ist wie Weihnachten ein reines Familienfest, haben wir in Sarasota mit unseren Freunden gefeiert.

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Das Kochen hat unseren Jungs mega Spaß gemacht und …

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… das Ergebnis – Truthahn braun und weiß – Püree von Süßkartoffeln – Maissouffle – Stuffing (irgendein spezieller Gemüse/Brotauflauf) – Preiselbeer Chutney und viel Soße –  war auch super lecker. Es wurde für Stunden gefuttert und getrunken, wobei der Rest für Tage in allen möglichen Variationen ausgereicht hat.

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Am nächsten Tag waren wir bei anderen Bekannten, die wir auch irgendwann mal beim Segeln kennen gelernt haben, zum zweiten Thanksgiving Essen eingeladen.

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Ingeborg, ist eine echte Künstlerin die schon in New York und Paris ausgestellt hat und … (www.thepottersworkshop.com)

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… ganze Springbrunnen von 5m Länge aus Keramik erschafft. Aber sie ist nicht nur Künstlerin was das angeht sondern auch beim Kochen. Sie hat mit ihren einmaligen kulinarischen Kreationen zu Thanksgiving unser Bild der Amerikaner von Plastikstuhl- und Blechtisch-Ambiente der Burger-Steak-Fastfood-Kultur völlig verändert.
So total abgefüllt mit bestimmt 2kg mehr in der Mitte haben wir uns wieder auf unseren Heimweg gemacht und sind dabei über unsere Vorstellung eines „Wohnanhängers“ gestolpert.

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Nennt sich 5th-Wheeler-Toy-Hawler, was soviel heißt wie 5-Reifer-Spielzeug-Zieher, weil er hinten eine Garage mit Rampe für Motorräder, Auto oder Jetskies hat. Wird an einen 600PS Pick-up-Truck mit Auflegerkupplung und hinten Doppelbereifung angehängt. Ist 15m lang und mit 4 Slied-Outs (seitlich ausfahrbaren Verbreiterungen) 5m breit.
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2 Doppelbetten-Schlafzimmern, 2 Bädern mit toiletten und Duschen, 2 ausklappbaren Terrassen und einer Außenküche mit Grill, Kühlschrank, Mikrowelle und natürlich einem Flach-TV-Bildschirm (aussen!!!), innen 3 Weiter davon nur größer. Tja, willkommen in Amerika, so muss es sein. Und kostet neu 85 000 $, kann man das glauben?

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Das wird unsere Zukunft werden, da sind wir uns einig.