Umzug mit Mini

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25.06.2016

Am 1.Juni genau sind wir von Bimini aus nach Ft. Lauderdale gesegelt und auch das war wieder ein Traumtrip, wie sie alle sind, seit dem wir endgültig beschloßen haben aufzuhören.

Rein in’s Inlet, zweimal abgebogen und da ist doch tatsächlich ein Ankerplatz, …

0001a … mitten unter den ganzen Megayachtmarinas, …

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… den Villen- und …

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… Palastvierteln ankern wir in Lake Sylvia. Es ist zwar etwas eng, aber alles ist gut.

Schon in der ersten Nacht stellen wir fest wie sauheiß und schwül es hier ist und das obwohl wir ja noch am Anker liegen. Es hat in den Nächten noch 33 Grad und so um die 85% Luftfeuchtigkeit, boahey, da ist schon an-was-machen zu denken schweißtreibend. Aber es hilft nix.

Nächster Schritt, unsere ganz speziellen Freunde die Homeland-, Customs- and Borderprotection anrufen, die jede Menge von Dir schon am Telefon wissen wollen. Dann bekommt man eine ellenlange Nummer und mit der marschierst oder fahrst Du dann mit dem Taxi innerhalb 24 Stunden zum Einklarieren. Das erledigen wir am nächsten Tag. Immer ist es das Gleiche mit Harald, die trauen ihm einfach nicht. In Houston, wie wir von Guatemala nur einen 3 Stunden Stopover nach München hatten, haben wir sogar unseren Flug verpaßt. Zuerst hat ihn der Officer gefragt, bei dem ich übrigens in 5 Minuten mit Fingerabdrücken und Augenscann durch war, ob er in den Staaten schon mal im Gefängnis gesessen ist. Dann hat er mal schlappe 3 Stunden im Office unserer Freunde verbracht und das war’s dann mit unserem Weiterflug, das kümmert die auch einen feuchten Sch… . Das ist jedesmal so oder ähnlich mit Harald, auch diesesmal. Ich bin in 10 Minuten durch und hab 6 Monate Aufenthalt, das Übliche. Harald kann warten, aber diesmal erklärt uns nach über 2 Stunden endlich mal einer auf, warum das so ist. Da Harald nur einmal im Jahr für 2 Wochen nach Deutschland fährt schaut’s so aus für die Amis, wie wenn er in seiner Heimat nicht mehr geduldet wird. Lustigerweise können wir das ganze dann aufklären indem wir sagen, wir haben zuhause ein vermietetes Haus (was mittlerweile ja auch nicht mehr stimmt) und haben eine Firma gehabt von deren Verkauf wir jetzt unseren Ruhestand bestreiten, schon ist er beruhigt. Harald bekommt aber trotzdem nur 3 Monate Aufenthalt, was in dem Fall egal ist. Egal sind ihnen auch die 50 Cubaner, die mittlerweile mit 3 Tonnen Sprengstoff frei in den USA rumrennen könnten, da sich niemand für unser Schiff interessiert und auch nicht interessieren wird, solange wir hier sind. Tja, Amerika ist anders.

Jedenfalls nach einem halben Tag sind wir wiedermal drin im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Ziemlich schnell stellen wir fest, daß wir ein Auto, eine Telefonnummer und WiFi brauchen, das und eine Kreditkarte macht Dich erst zum Menschen in Amerika. Gleich am nächsten Tag greifen wir an Menschen zu werden. Zuerst das Auto.

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Ist der nicht süüüüüüß!

Dann kommt der Rest und nachdem wir anständige Mitbürger geworden sind, also mit örtlicher Telefonnummer, ständigem mobilen Internet, einem Auto und einer Kreditkarte läuft alles gleich viel besser.

Vorallem auch, weil wir uns eine Klimaanlage angeschafft haben, was das Räumen zumindest im Boot erträglicher macht. Allerdings schafft es das Teil, das eigentlich für einen Raum von 50qm gemacht ist, unter Tags nicht das Schiff zu kühlen. Es hat wie draußen 35 Grad, aber es ist wenigstens nicht so verdammt feucht, was es doch angenehmer macht. Witzig ist ja nur, daß wir zum erstenmal eine Klimaanlage wirklich brauchen. Egal wo wir waren, auch in Guatemala am Hard war es nicht so unglaublich heiß und schwül wie hier.

Nächster Schritt, unser Broker, bei dem wir ja einen Liegeplatz ab diesem Monat direkt an seinem Verkaufsdock haben. Verdächtig erscheint uns nur, daß er nie auf e-Mails reagiert hat und immer wenn ich dann mal in der Lage war ihn amTelefon zu erwischen, hat er gemeint, er hat keine Mails von mir bekommen. Na egal, jetzt sind wir ja da und er soll der Beste der Ostküste sein. Die Ernüchterung folgt sobald wir das Office betreten. Das erste was wir erfahren ist, daß das mit dem Liegeplatz direkt hier nicht klappt. Er kann uns auch nicht sagen, ob das die nächsten Wochen was wird, aber kein Problem, die direkt angrenzende Marina hat einen Platz und da sind wir hervorragend aufgehoben. Wie ich nach den Dockingrates frage haut’s uns halb aus den bequemen Ledersitzen. 2600,-$ im Monat ohne Strom und Wasser. Jetzt ist mir auch klar, warum er in den letzten 3 Monaten nicht in der Lage war mir ein Mail zu den Preisen zu schicken, trotz mehrmaliger Nachfrage. Die wollten uns erstmal hier haben, wenn man dann nicht mehr auskommt ist das Abzocken ein Leichtes. Aber mit uns läuft das nicht so. Er will uns auch ein ganzes Packet für’s Schiff verkaufen, wenn wir nicht da sind. Putzen Innen und Aussen für 450,-$ und Unterwasserschiff Reinigen für 250,-$ im Monat. Was eine Unverschämtheit ist, wenn man sich das mal überlegt, kratzt er monatlich sinnlos das Antifouling weg und will dafür auch noch Geld. Für die Toiletten spülen zahlt man auch extra, was genauso ein Schmarrn ist, da man die dicht macht und dann verrottet und stinkt auch nix. Jetzt wissen wir wenigstens wie der Hase laufen soll.

Aber er hat gleich einen Interessenten an der Hand, ein geldiges, älteres, sehr nettes Pärchen aus Chile mit eigenem Weingut und Vertrieb weltweit, wie das Internet hergibt. Die drückt er uns gleich mal auf’s Auge, sie wollen unser Schiff anschauen. Sie sind echt reizend, aber es ist ziemlich schnell klar, daß sie ein größeres Schiff suchen, das Geld dazu scheinen sie zu haben und wir vermuten, daß das von unserem Broker ein Fake war um uns etwas milde zu stimmen.

Die Situation bleibt leider so frustrierend. Er und sein Büro versprechen uns jede Woche, daß am Verkaufsdock was frei wird. Ausserdem haben wir ein paar weitere Fragen und Angebote angefragt, die sie versprechen umgehend per Mail zu beantworten. Zum Beispiel zur Hurricanecare, wie sich das hier nennt und was eine Firma ist, die vor und nach angesagten, benamsten Stürmen dein Boot kontrolliert, wenn man nicht da ist. Aber es passiert nix, kein Mail, kein Anruf. Freiwillig war niemehr auch nur von einem der Leute der „Catamaran Company“ was gehört. Auch die 10 heißen Interessenten, die angeblich seit Wochen dringend darauf warten, daß das Boot endlich in den Staaten ist um es anzuschauen, bleiben aus. Warum wundert uns das jetzt nicht? Sie schaffen es nichtmal den Standort unseres Schiffes der im Internet immer noch mit Nassau/Bahamas angegeben ist auf Ft. Lauderdale zu aktualisieren, auch nicht nach dem dritten Anruf von mir. Es ist zum verzweifeln. Jetzt könnte man sagen, daß wir uns da einfach mal selber um den Verkauf kümmern sollen. Das ist in Amerika nicht so einfach. Unser Schiff ist auf der weltweit größten Plattform für Boote gelistet – www.yachtworld.com – da kann aber nur ein Broker drauf zugreifen. Alle anderen Seiten sind für ein Schiff in der Preislage total uninteressant. Ausserdem ist die Abwicklung in den Staaten mit den ganzen Versteuerungen und Gewährleistungsvorschriften so kompliziert, daß uns Rhonda, die einem deutschen Freund bei seinem Schiffsverkauf geholfen hat, uns erzählt sie würde es nie mehr wieder machen. Das hat soviel Gezehter gegeben und wäre fast schief gegangen. Jetzt ist sie aber gebürtige Amerikanerin und kennt sich mit Schiffen und der Materie aus. Ausserdem kaufen Amerikaner Dinge in der Preislage nicht ohne Makler, anders wie bei uns.

Nach über einer Woche Warten ist Schluß, wir kümmern uns selber um alles und obwohl es schwierig ist fängt es langsam an zu laufen. Marinas kommen einfach nicht in Frage, die Preise hier sind der Horror. Es gibt aber eine City Marina die relativ günstig ist (900$ per Monat) und auch was frei hat. Sie ist mitten in Downtown Ft. Lauderdale und am Hauptkanal der mitten durch die Stadt geht, entsprechend geht’s hier zu.

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Es ist schon spektakulär, man liegt mitten in einem Park aus Eichen, Mangobäumen und viel gepflegtem Grün und …

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… über allem ragen die 50 Stockwerke-und-mehr Glaspaläste der Banken und der Superreichen-Appartment-Hochhäuser auf.

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Allein der Weg durch die vielen Kanäle …

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… ist echt super schön, …

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… das haben wir garnicht erwartet.

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Nicht umsonst heißt es auch Ft. Lauderdale’s Venice (Venedig).

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Und wenn, dann machen es die Amis auch gleich richtig mit Gondeln und Gondoliere, der aber nicht rudert sondern am Steuer eines Motors sitzt, of course!

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Wie wir uns der Marina nähern sind wir echt beeindruckt.

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Da liegen wir also, mitten in Downtown und es geht zu wie am Stachus Mitten in München.

 

 

Große und kleine Taxiboote, Ausflugsschiffe in allen Varianten, Shuttlejollen, private Boote von ganz klein bis Mega.

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Ja und dann sind da noch diese Gespanne, die bestehen im wesentlichen aus Megayachten, die so groß sind, daß sie selber in dem engen Kanal schon garnicht mehr manövrieren können. So lassen sie sich schleppen vorne und ziehen hinten, damit sie um die Kurve kommen. Das alles findet so knapp 2 m neben unserem Schiff statt. Was nicht nur die Gefahr birgt, daß dir zum Shluß doch noch einer reinfährt (wie das unserem Nachbarn vor unseren Augen passiert ist), sondern durch die Wellen, die der eine mehr, der andere weniger macht und durch das Auf und Ab der Tide das Schiff am Dock Schaden nimmt.

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Das hat uns zu einer speziellen Fenderkonstruktion veranlasst.

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Da es keine Schwimmstege gibt und die Piles dicker wie die Fender sind, basteln wir uns richtige Abweiser, denen es egal ist ob das Schiff höher (Hochwasser) oder niedriger (Niedrigwasser) liegt und die auch ein Vor und Zurück problemlos mitmachen. Zu dem Ganzen soll dann ab morgen der ersten Tropical Storm durchziehen.

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Das ist übrigens unser neuer Nachbar, der auch mal für ein Stück Mango auf unser Schiff hüpft.

Mit der ganzen Aufregung haben wir uns echt einen Drink verdient und …

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… wandern mal gleich rüber zum Las Olas Boulevard, was die Flaniermeile in Downtown ist.

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Marshmallows-Seduction, der Drink überhaupt, der aus allem möglichen besteht, was dick und besoffen macht und von Mini-Marshmellows getoppt wird. Genau Meins!

So läßt sich auch das Sauwetter ertragen, was die hier Tropical Storm nennen. Es schüttet 3 Tage wie aus Kübeln und pfeift ganz ordentlich. So 35-40kn von der Seite drücken uns immer mal gegen unsere Fenderbretter, aber alles ist gut. Die Zeit nutzen wir um jede Menge zu organisiseren. Als erstes muß mal ein Storage her, denn unseren Krempel müssen wir ja irgendwo lassen, wenn wir das Schiff verkaufen und so genau wissen wir noch nicht wann’s dann tatsächlich mit dem WoMo weitergeht.

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So ziemlich um’s Eck steht so ein Teil, was uns recht gut gefällt.

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Wir schauen es uns kurz an und schlagen zu, 5x10m für 105$ im Monat. Ich kann mir nicht vorstellen, daß da unser ganzer Kram rein soll, Harald meint – ganz locker.

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Kaum haben wir das Ding fest gemacht, packt uns die Räumelust, was eigentlich sogarnicht Unsers ist, aber so einen Anfall muß man ausnutzen. Vom Boot runter, rein in den Mini, der mehr verträgt wie wir gedacht haben, …

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… rübergefahren und eingelagert.

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Das macht richtig Spaß und nach einer Woche ist das Boot halb leer und unsere 5x10m nicht mal halb voll.

Was aber überhaupt keinen Spaß macht ist die Situation mit unserem Broker. Von dem kommt auch nach 2 Wochen garnix, keines der Versprochenen Angebote, keine Zusage wegen des Liegeplatzes bei ihm, keiner der angeblich 10 Interessenten, kein Anruf. Nicht mal den Aufenthaltsort unseres Schiffes, der immer noch mit Nassau/Bahamas im Internet steht, hat er auf den neuesten Stand gebracht. Als ich ihm erneut etwas auf die Füße steige merke ich, daß das völlig uferlos ist, da wird nix passieren, er labert einen schwindlig, verspricht alles möglich zu machen und dann …

Kann ich nicht haben sowas, vorallem haben wir nicht endlos Zeit, wir wollen Mitte Juli nach Deutschland fliegen und nicht hier rumwarten. Also schnappe ich mir ein paar Telefonnummern von Agenten, die private Docks vermitteln, an denen man sein Schiff liegen lassen kann. Das ist hier Usus. An diesen vielen Kanälen gibt es unzählige Häuser mit eigenen Docks. Viele davon haben mittlerweile kein eigenes Schiff mehr und vermieten es deswegen für ca. 500$ im Monat an andere Bootsbesitzer und das ist ein Bussines das über Makler vermittelt wird. Allerdings ist es nicht üblich, daß man an diesen privaten Docks auf dem Schiff leben kann. Die ersten beiden die ich anrufe erzählen mir genau das und auch der dritte, den Frage ich aber ob er denn niemanden wüßte, der diese Docks mit an-Bord-leben vermittelt. Er meint er kennt nur eine einzige Stelle, wo das möglich ist, aber die braucht man eigentlich garnicht anrufen, weil die immer mit Warteliste arbeiten und heillos ausgebucht sind.

Trotzdem lasse ich mir die Nummer geben und wie ich anrufen ist eine ganz Süße am anderen Ende, die mir erzählt, daß ich ein riesen Glück hätte, denn gerade eben hat sie erfahren, daß ein Dock für einen 42 Fuß Catamaran ab 1. July frei wird. Kann jetzt nicht sein oder. Wir fahren sofort hin und es ist einfach unglaublich wie perfekt es ist. Es ist ein Condominium für Leute ab 62, an einem Seitenkanal gelegen, sprich es ist sehr ruhig und ohne Bootsverkehr. Unser Dock ist sogar ganz am Ende des Kanals, wo wir uns mit in die Mangroven quer über den Kanal verspannen können, was das Optimale bei einem Sturm oder Hurricane wäre. Ausserdem haben wir einen Pool direkt vor der Nase. Was will man mehr. Kostet 840$ inkl. Allem im Monat. Ja da haben wir in der Karibik noch gezuckt, für Ft. Lauderdale ist das ein Schnäppchen. Etwas kompliziert ist die Bezahlung, für das Deposit und den ersten und letzten Monat im Vorraus. Man kann nicht mit Karte oder Cash bezahlen sondern mit Money Checks, dazu brauchen wir ein Konto in Amerika. Auch das ist in einem weiteren halben Tag erledigt und so bezahlen wir alles was nötig ist und haben ab 1. July einen vernünftigen Liegeplatz.