Zweite Chance für Cuba

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29.02.2016

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Cuba hat von uns eigentlich keiner mehr auf dem Schirm gehabt, vorallem nicht Harald.

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Aber da kann man noch sosehr über das Wetter grübeln und diskutieren, auch mein Schatz muß sich nach Wind und Strömung richten und das ergab von Isla Mujeres aus einfach Cuba, genauer gesagt Havanna. Ich hab mich gefreut, daß wir der Insel noch mal eine Chance geben können und bin gespannt was sich verändert hat.

Der Törn dorthin war erstmal nicht so übel, die Nacht war sogar die zweitbeste (einfach zu merken, da wir nur beschissene und oberbeschissene hatten bis auf eine eben) die wir je hatten. Der Vollmond ging schon mit Sonnenuntergang auf und es blieb wolkenlos, sodaß wir eine strahlend helle und total ruhige Nacht hatten. Kein Gewitter, kein stärker werdender Wind, keine blöden Wellen, einfach perfekt. Der Mond schien so strahlend, daß man an Deck sogar Farben erkennen kann. Allerdings hatte es der Endspurt, die 70sm bis Havanna in sich, denn obwohl eigentlich nur 15kn Wind angesagt waren pfiff es konstant zwischen 28 und 37, was ja dann doch ein Unterschied ist. Trotz der Groß im zweiten und die Genua im dritten Reff ging’s mit 9-10kn Richtung Hemmingway Marina, die wir schon am frühen Nachmittag erreicht haben. Echt anstrengend aber schnell.

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Erstaunlicherweise haben sie die Einklarierungsformalitäten schon merklich vereinfacht und eine halbe Stunde nach Ankunft am Dock waren wir abgefertigt und auf dem Weg zu unserem Liegeplatz. Es ist ihnen auch irgendwie alles egal, sie fragen zwar nach frischem Obst, Gemüse und Eiern, Wurst, Fleisch und Käse und wollen mal in den Kühlschrank schauen, aber obwohl alles offensichtlich da liegt, sagen sie: ist schon okay und weg nehmen tun sie sowieso nix. Der Dockmaster und seine Crew begrüßen uns auf das Herzlichste und helfen uns beim Festmachen, was wir bei dem Seitenwind von bestimmt über 25kn gerne annehmen, denn wenn unser 16t Pott mal schiebt, dann brauchts ein paar kräftige Jungs. Harald legt perfekt an, die Leinen und Fender passen und obwohl es mächtig Druck von der Seite ist geht alles gut und wir liegen in kürzester Zeit fest verzurrt an unserem Platz.

Da sind wir also wieder und schon stellen wir fest, daß es auch in der Marina selbst anders geworden ist. Sie haben viel gebaut und hergerichtet und es gibt sogar einige neue Shops und Restaurants. Den TUNI’s haben wir noch erzählt, daß sie unbedingt in Mexico Butter einkaufen sollen, denn der ist hier unerschwinglich, 250gr für 10 US$ doch kaum gehen wir in den Marina eigenen Supermarkt da liegt jede Menge Butter aus für 1,50 US$ das halbe Pfund.

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Jetzt sind wir natürlich echt gespannt was sich sonst noch so getan hat und machen uns auf nach Havanna, natürlich mit einem der Taxis die teilweise noch aus den 40iger und 50iger Jahre stammen. Teilweise eben, da die Motore und die Getriebe meist durch ein Model von Toyota oder Peugeot ersetzt werden mußten, aber die Optik ist trotzdem echt cool.

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In der Stadt angekommen streifen wir …

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… durch die Straßen im Altstadtviertel …

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… Havanna Vijecha und staunen, …

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… denn es präsentiert sich ganz anders wie letztes Jahr.

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Es ist viel los, …

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… die Baustellen sind aus der Innenstadt mehr in den Aussenbereich gewandert, …

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… viel mehr Kneipen sind offen und gut besucht und …

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… man findet an vielen Ecken eine Straßen-Band mit guter original Cuba Musik, so wie man es sich eigentlich vorstellt.

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Auch die abgefuckten Ecken sind irgendwie cool und …

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… so stehen gut erhaltene Häuser direkt neben …

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… total abgebrochenen und …

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… in beiden leben allerdings Leute…

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… und unzählige Katzen, natürlich hab ich für die Miezen immer was dabei.

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Wieder sind wir eine Woche in Havanna und finden es viel besser wie im Jahr zuvor. Es ist mehr Leben in der Stadt und nicht mehr so verlassen und trostlos wie damals. Vielleicht liegt’s an der Jahreszeit, Februar statt Mai, kann sein.

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Wir nehmen ganz andere Eindrücke …

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… von der Stadt und …

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… den Menschen mit und sind froh, …

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… daß wir doch noch mal da waren, bevor es weiter geht mit der totalen Umkrempelung durch die Öffnung Cubas.

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Vielleicht liegt’s ja auch daran, weil es mittlerweile einfach mehr Möglichkeiten zum Feiern gibt.

Oh, wobei dieser Start in den Abend noch ein legendäres Ende nehmen sollte.

Mein Tanzpartner im Video hatte schon am Nachmittag soviel getankt, daß er mit seinen Spezln vor seinem Bierturm einfach in’s Koma gefallen ist. Soweit kam’s bei uns nicht, aber …

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… mit den 3l Bier von denen Floh und ich natürlich mehr vernichten mußten wie unsere beiden Alkoholschwachmaten Harald und Julia ging’s erst so richtig los.

Nach erfolgreicher Vernichtung des Bierturms zogen wir in die nächste Kneipe auf einen Mojito, da dieser nicht der Brüller waren beschlossen Floh und ich zu einer Mojito-Testrunde durch die Marina-Kneipen zu ziehen, schließlich ist der in Cuba Nationalgetränk. In der Zwischenzeit wollten Julia und Harald bei uns auf dem Schiff eine kleine Nudel-Party organisieren, die wir dringend nötig hatten um den Alkoholpegel wieder unter Kontrolle zu bringen. Da nur eine weitere Bar aufzutreiben war, der Mojito aber exorbitant gut und stark war waren wir beide auch bald zurück auf unserem Schiff zum Essen. Nach viel Wein und Nudeln wurde uns die häusliche Party doch etwas zu langweilig und Floh und ich beschlossen in der Marina nach ein paar Mitfeierern zu suchen, klemmten uns eine Flasche Rum unter den Arm und zogen los. Ein großer Segler weiter das Dock runter war unsere erste Anlaufstelle, die Crew war international und sehr nett, aber leider im Dienst und so durften sie weder was trinken noch mit uns mitfeiern. Also zogen wir weiter.

Unser nächstes „Opfer“, die größte Yacht im Hafen, 40m lang – 4 Stockwerke hoch und keiner da. Wir konnten es nicht glauben, aber da an die Bordwand klopfen so gut wie keinen Ton von sich gab, wie das bei normalen Schiffen so ist, stellten wir uns auf einen Fender, der doppelt so groß war wie wir und lustig zum hüpfen anfing. Wie auf einem Trampolin sprangen wiir auf und ab und Floh sagt, wenn Du mir jetzt noch einen Schups gibst bin ich über dei Bordwand auf dem Schiff. Schon macht er einen Abflug, öffnet mir galant die Türe und wir streben auf die große Schwingtüre im Parterre zu, in der Hoffnung doch noch jemanden für unserer Party-Idee zu finden. Aber soweit kommen wir garnicht erst. Wie aus dem Nichts steht plötzlich irgend so ein Wachtel vor uns und schimpft los, wir sollen auf der Stelle das Schiff verlassen. Wir wollen ihm eigentlich nur einen Rum anbieten und ihn einladen, aber der Typ versteht ja gleich so garkeinen Spaß und fordert uns nochmal auf zu verschwinden und er holt die Polizei. Na ja mit so einem kann man das Feiern ja dann auch vergessen, also ziehen wir ab.

Auf dem gegenüber liegenden Dock sind wir erfolgreicher. An einem etwas kleineren, aber trotzdem Megayacht mäßigem Schiff steht ein kleines Grüppchen zu dem wir uns gesellen. Wir bieten allen von unserem Rum an und schwups sind wir auf der Motorbratze und diesmal legal. Hammer, soviel kann ich in meinem Zustand dann doch noch erkennen. Ich weis zwar nicht mehr wie ich die vielen Stufen im Schiff bis rauf in den zweiten Stock geschafft habe, aber an den Ausblick kann ich mich noch gut erinnern, phenomenal über das ganze Pier. Der Eigner sieht aus und läuft auch so rum wie Gandi, ist sau nett und wir verlegen die Party einfach hier her. Weiter hätten wir es beide sowieso nicht mehr geschafft. Irgendwann sind wir dann wie durch ein Wunder wieder bei Julia und Harald zurück auf unserem Schiff und zu mehr wie in’s Bett fallen auch nicht mehr in der Lage. Puuh, eindeutig zu wenig Nudeln gegessen.

Da es mir nach so einem Exzess am nächsten Tag immer blendend geht habe ich richtig Frühstücks-Hunger. So richten wir gerade alles her, als ein Typ wutschnaubend an unserer Bordwand auftaucht und mit irgendeinem S/W-Ausdruck rumwedelt. Wir beide meinen erst er will uns eine Sightseeingtour verkaufen, bis ich die Worte „Überwachungskammera“, „Einbruch“, „Polizei“ aus seinem aufgebrachten Rumgebrülle verstehe. Ach Gott, das ist dann wohl die Spaßbremse von gestern Nacht oder was?

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In der Hand hält er ein Bild von mir und Floh, wie wir gerade auf dem Deck rumtrappeln. Unseren ganzen „Überfall“ haben scheinbar mehrere Überwachungskameras feinsäuberlich fest gehalten, Szene für Szene. Bevor ich ein Wort sagen kann zischt er ab in Richtung Hafenbüro. Na sag mal, der macht vielleicht eine Welle. Ich denke mir, na da geh ich doch gleich auch mal hin und rede mit ihm, denn so ganz okay war unser abendlicher Besuch auf seinem Schiff natürlich nicht, aber sowas kann ja mal passieren, wenn man etwas zu gut drauf ist.

Auf meinem Weg dorthin kennen mich auf einmal unheimlich viele Leute, die ich vorher noch nie gesehen hab, oder doch? Keine Ahnung! Jedenfalls find ich keinen den ich suche, nicht die Spaßbremse und auch keinen vom Büro. Klar, die stehen alle bereits vor unserem Schiff wie ich zurück komme. Ein mortz Aufgebot, der Spielverderber wild gestikulierend umringt vom Hafenkapitän und vier Security Leuten im FBI-Dress, schwarzer Anzug, weißes Hemd, Krawatte und die obligatorische Ray-Ban Sonnenbrille, gehört natürlich auch zur Uniform. Ach du meine Güte, was für ein Aufstand am Sonntag Vormittag, Aber das hilft nix, da muss ich durch. Ich versuche mit dem Typen in Ruhe zu reden und mich zu entschuldigen für den abendlichen „Überfall“, aber er ist einfach ein riesen A… Er will unbedingt ein Fass aufmachen und die Polizei holen. Na soll er doch, was können die uns schon tun? Aber wir sind in Cuba (Rechtsstaat?) und die Bratze da vorne kann schon einem Megawichtigen gehören, er ist ja nur der Putz-Joe, wenn er sich auch so aufführt als hätt er was zu sagen, aber das ist natürlich jetzt seine Bühne und jetzt darf er auch mal. Nach langem Gezehter und nachdem sowohl dem Hafenmeister als auch der Security mehr zum Schmunzeln als zum ernst sein ist, da sie meine Seite der Storry kenne, reden sie mit Engelszungen auf ihn ein. Denn scheinbar ist das dann doch nicht ganz so lustig, wenn er wirklich die Polizei da haben will. Laut Aussage des Portcaptains bekommen dann hier alle so richtig Ärger, scheinbar auch die Marina Leute. Irgendwie kommt er sich glaube ich selber langsam lächerlich vor und lenkt ein, versucht zwar noch mich persönlich zu beleidigen, aber da steh ich drüber, er ist einfach nicht auf meiner Augenhöhe. So zieht er dann irgendwann ab. Bevor die Marina Leute gehen frägt mich der Portcaptain mit einem Augenzwinkern noch, „was the party good?“ „YES IT WAS WORTH IT“ !!! – Ja, es war es wert!!!

Wie wir das den TUI’s erzählen sind sie völlig von den Socken, Floh läuft nur noch incognito mit Sonnenbrille und Schirmmütze rum und verläßt das Schiff erstmal nicht mehr. Zu uns kommt noch John (Gandi) und seine Frau zu Besuch und wir haben noch viel Spaß bei der Erzählung unserer nächtlichen Eskapaden. So erfahre ich auch warum uns jetzt alle in der Marina kennen.

Ja, Cuba war so richtig gut diesmal.